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Die Familie Latsch


von Robert Giesler,
überarbeitet von Matthias Schmidt


Die Familie Latsch ist wahrscheinlich aus einem der Alpenländer, vermutlich Tirol, ins Siegerland gekommen.

Die ersten Latsch lebten in Gosenbach als Hofpächter. In Gosenbach gab es im 15. Jahrhundert zwei Höfe, einer war der des Dietrich von Seelbach. Nach seinem Tod am 18. Januar 1472 schenkte seine Witwe Elsa ihren geerbten Hof mit Zustimmung ihrer Kinder dem Kloster Keppel (heute Hilchenbach). Der Hof sollte verpachtet werden, wobei der Pachtzins an das Kloster gezahlt werden sollte mit der Auflage, dass an jedem Jahrestag seiner Totenmesse für Dietrich eine Seelenmesse gehalten werden solle. Zur Beleuchtung der Kirche an diesem Tag hinterlegte Elsa im Gosenbacher Hof Wachs. Außerdem sollte die Äbtissin in der Advents- oder Fastenzeit den Nonnen zwei Stockfische oder zwei Heringe geben, solange der Hof Pachtzins abwerfe. "Insbesondere ist" in der Schenkungsurkunde "verordnet, daß" die jeweils auf dem Kloster lebenden Nonnen "das genannte Gut nimmer versetzen oder verkaufen, sondern ewiglich bei dem Kloster behalten sollen, auf daß solch Begängnis und Gottesdienst, wie vorgeschrieben, nicht vergänglich werden."

Erbpächter waren über drei Jahrhunderte fast ohne Ausnahme die Latsch, die auch Hofmänner des zweiten Gosenbacher Hofes, dem der Herren von Wildenburg, daher "Wildenburger Hof", waren. Heidrich Latsch war wahrscheinlich gleich von 1472 an, sicher aber erst seit 1482 Hofpächter. Er hatte zusätzlich Anteile an der Hütte "uff der Goßenbach". Als "Heyderich Laitsch von Goißenbach" wird er erstmals mit diesem Familiennamen erwähnt, obwohl er bereits ab 1461 dort lebte und zu den angesehenen Bewohnern Gosenbachs gehörte. Seine Nachfolger als Hofpächter waren Friedrich Latsch (erw. 1486 - 1536), Tilmann Latsch (1530 - 47) und Johann Latsch (+ nach 1599).

Johann Latsch, Hofmann zu Gosenbach, hatte 1563 24 Stück Rindvieh, 150 Schafe, 12 Schweine, 4 Pferde und einen Ernteertrag von 18 Wagen Heu. Der nächste Hofmann, Hans Latsch (+ nach 1614), war ein wohlhabender Mann. Er war ab 1587 Erbpächter, außerdem Gewerke an Gruben und der Gosenbacher Hütte. Ferner war er als Reitmeister (Stahl- bzw. Eisenhändler) tätig und brachte es zu solch einem Vermögen, dass er im November 1613 den Wildenburger Hof kaufte. Damit wurden die beiden Güter, Keppelscher und Wildenburger Hof, gespalten mit der Folge, dass sich bald aus neu hinzutretenden freien Eigentumsgütern langsam der Ort Gosenbach entwickelte. Eine Tochter Hans Latschs, Margaretha (etwa 1615 - 1673), heiratete nach Niederholzklau. Vielleicht war sie aber auch die Tochter des nächsten Hofmanns, Hans Latsch (+ etwa 1638). Er war seit spätestens 1608 Hofmann zu Gosenbach und hatte unter den Folgen des 30jährigen Krieges schwer zu leiden. Zum einen wurde der Hof oft das Opfer von Raubüberfällen, bei denen den Hofleuten Pferde, Schafe und Geld gestohlen wurde, zum anderen wurden Hans Latsch und seine Frau auch "ganz erbärmlich traktieret". Hans Latsch geriet aber schon zuvor, 1608, in finanzielle Bedrängnis, als Magdalene von und zu der Hees, Äbtissin des Klosters Keppel, den Pachtzins von 13 auf 15 Gulden und bei der Neuverpachtung im Jahre 1620 auf 40 Gulden erhöhen wollte. Daraufhin wendet sich Hans 1622 an seinen Landesherrn, Graf Johann VII von Nassau-Siegen, und fordert eindrucksvoll die Rücknahme der Pachtzinserhöhung, da sonst der "Profit", der ihm noch bliebe, "zur Ernährung von Weib, Kind und Gesinde jährlich sehr schmal gefallen sei". Er führt mehrere Argumente an: So habe das Kloster zuvor neue Einkünfte erhalten, hätte er zum Ausbau des Hofes verschiedene Ausgaben gehabt und nicht zuletzt habe sich seine ganze Familie für die Verbesserung des Hofgutes "mit großer vielfältiger Mühe und Arbeit" eingesetzt. Er richtet an den "lieben Grafen" seine "ganz untertänige und hochfleißige Bitte", dass er "die würdige Frau zu Keppel dahin in Gnaden disponieren woll(e)", daß sie Pacht und Zins soweit zurückschrauben solle, dass er "dabei nicht ganz und gar an den Bettelstab geraten möge". Er unterzeichnet mit
"Untertheniger
Hans Latsch ietziger
Hoffmann zu Gosenbach".
Eine Antwort auf dieses Schreiben ist nicht überliefert.

Hans' Tochter Margarethe Latsch heiratete um 1636 den aus Dillhenrichshütten stammenden Johannes Spies (etwa 1599 - 1660) und stellte dadurch die Verbindung zwischen diesen beiden Familien her.

Johannes Spies wurde 1637 zweiter Hofmann, bekam das Keppelsche Hofhaus und die Hälfte der dazugehörigen Ländereien zugesprochen. Nach seinem Tod nahm Hans Wolf Spies (1638 - 1727) seine Stellung ein. Auf der Latsch-Seite folgte nach dem Tod des Friedrich Latsch (1627 - 1696) Henrich Latsch (1657 - 1706). Ab 1679 waren Henrich Latsch und Hans Wolf Spies die beiden Keppelschen Hofpächter. Letzterer gehörte der Hammerschmiede- und Massenbläserzunft an und wird 1677 ihr Zunftmeister. Er war auch als Eisenhändler tätig und erwarb 1666 und 1670 Anteile sowohl an der Gosenbacher Kupferhütte als auch an der obersten Gosenbacher Hütte. 1685 errichtete er einen Anbau an das alte Hofhaus aus dem 15. (?) Jahrhundert, das 1969 abgerissen wurde. Hans Wolf Spies' eigenwillige Wirtschaftspolitik entwickelte in ihm den Wunsch, alleiniger Hofpächter zu werden. Da 1704 mit dem baldigen Tod Henrich Latschs gerechnet wurde und dessen Erbe, sein Sohn Johann Friedrich (1688 - 1772), erst 16 Jahre, also unmündig war, beantragte Hans Wolf Spies die Eintragung seines Sohnes Antonius Spies als künftigen Hofpächter, und zwar erfolgreich, da die Vereinigung der geteilten Pacht den Interessen der Keppelschen Klosterverwaltung entgegenkam. 1706, nach dem Tod Henrich Latschs, wird Hans Wolf Spies tatsächlich alleiniger Hofpächter. Einige Jahre später allerdings meldete der 1704/06 übergangene (nicht unrechtmäßig !) Johann Friedrich Latsch sein Interesse an der halben Pacht an. 1715 heiratet er äußerst zweckmäßig die Tochter des Hans Wolf Spies, Elsbeth (1682 - 1764). Hans Wolf, inzwischen 77 Jahre alt, setzte sich nun im Gegensatz zu seinen früheren Bemühungen von 1704/06 für seinen Schwiegersohn und einstigen "Konkurrenten" ein, erreichte die erneute Pachtteilung und zog in den Haushalt seiner Tochter Elsbeth. Hans Wolf Spies' Sohn Antonius (1670 - 1742) wurde damit zum 2. Hofpächter. Dieser allerdings erinnerte sich 1716, auch schon 46jährig, des Lehnsvertrages von 1704, in dem sein Vater zum alleinigen Hofpächter und er, Antonius, zu seinem Nachfolger bestimmt wird, was für ihn ja jetzt von Vorteil wäre. Das wegen anderer, finanzieller Streitigkeiten schon belastete Verhältnis zu seinem Vater äußerte sich schließlich darin, dass Antonius beim Stift Keppel unter Berufung auf das Lehensprotokoll von 1704 für sich das alleinige Pachtrecht beantragt. Zunächst schien es so, als wenn er sich durchsetzen könnte, zumal das Stift Johann Friedrich Latsch vorher nicht als 2. Hofmann akzeptieren wollte. Jetzt aber trat Hans Wolf, mittlerweile 78jährig, wieder auf und erhob bei der fürstlichen Landesregierung Einspruch gegen das Vorhaben seines Sohnes, da sein Schwiegersohn und seine Tochter "außer einem eigentümlichen Wohnhaus anders keine Güter" hätten. Dem Einspruch wurde stattgegeben, so dass er bis zum seinem Tod im hohen Alter von fast 89 Jahren im Haus seiner Tochter wohnte. Antonius' Tochter Anna Catharina (1706 - 1758) heiratete nach Achenbach in die Familie Holdinghausen, Johann Friedrich Latschs Tochter Anna Catharina (1715 - 1781) in die Familie Achenbach und blieb mit ihrem Mann Johann Henrich Achenbach (1709 - 1768) in Gosenbach. Sie wohnten im "Alten Achenbachs Haus", später als Spies-Haus bezeichnet, das schon Anna Catharinas Vater Johann Friedrich und ihr Großvater Henrich Latsch bewohnten. Dieses erhaltene, 300 Jahre alte Haus steht in Gosenbach in der Friedhofstraße, schräg gegenüber dem Latsch- bzw. Debus-Haus.




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